Appell an kommunale Bauträger: Lüftungsanlagen in Schulen einplanen
Veröffentlicht: 23.07.2010
„Schlechtes Raumklima mitverantwortlich für Schulstress”, so dass Ergebnis einer Fachtagung der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH). Schon nach der ersten Schulstunde ist ein Kohlendioxid-Gehalt in der Luft von 1.500 ppm (parts per million) die Regel, um die Mittgszeit sind über 4.000 ppm möglich. Das ist etwa das 10-Fache der Konzentration des Treibhausgases im Freien. Diese dicke Luft kann bei Schülerinnen und Schülern zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit führen. Deshalb appelliert die ISH jetzt an alle kommunalen Bauträger: „Berücksichtigen Sie bei Neubau oder Sanierung von Schulen den Einbau von Lüftungsanlagen!”
„In Skandinavien gehören Lüftungsanlagen in Schulgebäuden schon lange zum Alltag. Trotz zahlreicher Normen und einer 150 Jahre alten Erkenntnis, dass CO2 in der Raumluft von über 1.000 ppm hygienisch bedenklich ist, werden hierzulande aktuell kaum Lüftungsanlagen in Schulen eingebaut”, sagte ISH-Vorstand Stefan Brumm. Für eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für einen Klassenraum von 60 qm müssten 5000 bis 10.000 Euro kalkuliert werden. Die Kosten könnten sich durch Einsparung von Wärmeenergie rechnen. Obwohl Strom für den Betrieb der Anlage benötigt werde, führe die Wärmeeinsparung zu etwa 20 Prozent niedrigeren Gesamt-Energiekosten. Abhängig von dem absehbaren Anstieg der Preise vor allem für Wärmeenergie könne sich diese Einsparung mittelfristig noch verdoppeln, erwartet Brumm.
In einem Leitfaden des Umweltbundesamtes heißt es, dass ab einer Konzentration von 1000 ppm gelüftet werden soll, ab einer Konzentration von 2000 ppm gelüftet werden muss. Das häufig empfohlene Stoßlüften führt bei höheren Co2-Konzentrationen kaum zu Erleichterung. Hinzu kommt, dass Fenster oft nur in Kippstellung geöffnet werden können. Straßenlärm und andere Luftverschmutzung, im Winter Kälte sind weitere Faktoren, dass in der Praxis nicht ausreichend von Hand gelüftet wird. Bei der mechanischen Belüftung spricht vieles für eine dezentrale Lösung. Dezentrale Anlagen sind leichter nachrüstbar als zentrale Lösungen, da Raum für Raum gearbeitet werden kann und nicht gleichzeitig mehrere Klassenräume für die Installation des Kanalnetzes durch die Bauarbeiten belegt werden; somit können die dezentralen Geräte auch während des Schulbetriebs eingebaut werden. Und falls die Anlage einmal gewartet werden muss oder ausfällt, ist jeweils nur ein Klassenraum betroffen. Auch die individuelle Regelung der Frischluftzufuhr ist in vielen Fällen mit einer dezentralen Anlage einfacher.
Die Vorträge mit vielen Informationen und Praxistipps stehen hier auf dieser Website zum Download bereit.
Die Fachtagung wurde im Rahmen der Reihe “Energieworkshops” von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein durchgeführt. Diese Veranstaltungen sind Teil der Initiative “e-ko - Energie in Kommunen”. Mehr Informationen zu e-ko unter www.e-ko.de.

