Innovationsstiftung Schleswig-Holstein

Duftes Treibhausklima

Veröffentlicht: 20.11.2009

Ein Energieträger gleich dreifacher Nutzen – so lautet die Gleichung in der kleinen Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop. Nutzen eins: Das in einer Biogasanlage aus Silage gewonnene Biogas wird im Blockheizkraftwerk verstromt. Nutzen zwei: Die gleichzeitig entstehende Wärme beheizt gemeindeeigene Gebäude und die Gewächshäuser eines ortsansässigen Rosenzuchtbetriebes. Nutzen drei: Das im Biogas enthaltene CO2 kann als Dünger die Rosen zum Gedeihen bringen.

Was brauchen Pflanzen zum Leben? Wasser, Licht, Wärme und die richtigen Nährstoffe. Pflanzenzuchtbetriebe benötigen in unseren Breiten große Mengen Energie, um ihre Gewächshäuser zu beheizen. Konventionell geschieht dies mit fossilen Energieträgern. Mehr noch: Weil die Pflanzen bei der Photosynthese CO2 umsetzen und daraus Kohlenhydrate für ihr Wachstum generieren, reichern Baumschulen und Gärtnereien die Luft in ihren Gewächshäusern durch Verbrennen von Erdgas zusätzlich mit CO2 an. Dass es auch deutlich Klima schonender geht, zeigt eine Energiepartnerschaft in Klein Offenseth-Sparrieshoop im Kreis Pinneberg.

Vor zwei Jahren hat die Familie von Rainer Bonnhoff auf ihrem Bauernhof eine Biogasanlage in Betrieb genommen. Hauptsächlich Mais und Grassilage werden darin vergoren. Das gewonnene Biogas lässt sich im Blockheizkraftwerk in elektrische Energie umwandeln und der Strom ins Netz des Versorgers einspeisen. Doch was ist mit der im Kraftwerk entstehenden Wärme? “Grundvoraussetzung für das Projekt war, dass Hof und Nachbarn nicht die einzigen Abnehmer sind, sondern dass wir Partner haben, die große Wärmemengen nutzen können“, sagt Bonnhoff. “Rein auf die Stromausbeute bezogen würde die Auslastung der Anlage nur bei 40 Prozent liegen.”

So stand zum einen die Gemeinde als dankbarer Empfänger parat. Bei einer Vergütung von 3,5 Cent je Kilowattstunde Biogas rechnet es sich, Schule, Turnhalle, Gemeindehaus und Feuerwehrgebäude mit der Klima freundlich erzeugten Wärme zu beheizen. Die Gemeinde ist mit einer Energiemenge von jährlich rund 500.000 Kilowattstunden jedoch nur der kleinere Partner in der regionalen Kooperation. Etwa die zehnfache Menge nutzt der im Ort ansässige Rosenproduzent Kordes. Der Gewerbebetrieb stellte mit dem Neubau eines Gewächshauses sein Heizkonzept auf Bioenergie um und schloss ebenso wie die Gemeinde mit Bonnhoff langfristige Lieferverträge.

Für das lokale Wärmenetz waren einige bauliche Maßnahmen notwendig. Die öffentlichen Gebäude sind nicht weit vom Rosenzuchtbetrieb entfernt, daher wurde nicht nur bei der Hofstelle, sondern auch in der Nähe zu den Abnehmern ein Blockheizkraftwerk gebaut. Das Biogas gelangt über eine Gasleitung dorthin, die über eine Länge von 1,5 Kilometer quer durch die Feldmark und unter der Autobahn 23 hindurch verlegt werden musste. Um den Wärmebedarf auch zu Spitzenzeiten decken zu können, verfügt die Anlage über einen Wärmepuffer mit rund 150.000 Litern Wasser. “Wird im Sommer weniger Wärme gebraucht, verwenden wir die Energie zum Trocknen von Hackschnitzeln und Gärresten“, sagt Bonnhoff.

Allein durch das konsequente Ausnutzen der Wärme in Klein Offenseth-Sparrieshoop gelangen jährlich knapp 1.400 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre. Dieser Wert steigt noch einmal um mehr als das Vierfache, wenn aus dem Biogas auch der Rosendünger gewonnen wird. Bei der Verbrennung von Biogas verbrennt nur das enthaltene Methan. Knapp zur Hälfte besteht das Biogas aber aus Kohlendioxid, das sich weiter nutzen lässt. Dazu soll aus dem Abgas des Heizkraftwerkes das Kohlendioxid abgeschieden, gesammelt und nach Bedarf in die Gewächshäuser eingeleitet werden. Für Kordes entfiele damit der Zukauf von externem CO2. “Wir warten nur noch auf die Freigabe der Module durch die Hersteller“, sagt Bonnhoff, der die Kooperation als Vorbild für andere sieht: “Wir produzieren Energie und Dünger sehr günstig, ohne die Umwelt zu belasten.”

Die Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop hat bei der “EnergieOlympiade 2009″ einen Sonderpreis erhalten. Alle Preisträger finden Sie auf Seite 2.

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