Ein Tänzchen mit Jojo: Beim „lüttIng.“-Projekt der FH Kiel programmieren Mädchen Modellroboter
Veröffentlicht: 06.01.2010
Nicht nur Jungs spielen gern mit Lego: Bei einem „lüttIng.“-Projekt der FH Kiel sind es vorwiegend Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren, die einen Modellroboter aus Spielsteinen konstruieren und programmieren. Das Lernkonzept heißt „Roberta“ und wurde vom Fraunhofer IAIS entwickelt, um Schülerinnen den Einstieg in die Technik zu erleichtern.
Geht doch! Eigentlich hatten Christin und Esther so ihre Zweifel, ob das wirklich klappen würde. Aber ihr kleiner Freund macht genau, was er soll. Auf dem Boden liegt ein großes weißes Poster, auf das mit einer schwarzen Linie ein Oval gezeichnet ist. Und „Jojo“, so haben sie ihren Spielkameraden genannt, bewegt sich langsam vorwärts immer auf dieser Linie entlang. „Jojo“ ist ein kleiner Roboter aus Legosteinen. Christin und Esther haben ihn zusammengebaut und aktuell auf „schwarz“ programmiert. Dank eingebauter Farbsensoren findet „Jojo“ seinen Weg.
Die beiden Schülerinnen besuchen die achte Klasse der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf und sind nach eigenem Bekunden alles andere als Technikfreaks. Seit diesem Schuljahr machen sie dennoch bei einer „lüttIng.-Akademie“ mit, mit der die FH Kiel vor allem Mädchen ansprechen will, die Welt der Roboter zu entdecken. „Wir machen Sachen, von denen ich bisher keine Ahnung hatte“, erzählt die 12-jährige Esther. „Es macht unheimlich viel Spaß.“
Solche Kommentare hört Projektleiter Prof. Gerhard Waller vom Fachbereich Informatik und Elektronik gern. „In unseren technischen Fachbereichen sind gerade einmal zehn Prozent der Studierenden Frauen“, sagt er. „Die Studentinnen leisten meist hervorragende Arbeit, aber leider sind es noch viel zu wenige.“ Um Berührungsängste mit der Technik schon in der Schule erst gar nicht aufkommen zu lassen, arbeitet die FH Kiel jetzt Hand in Hand mit dem Heikendorfer Gymnasium und dem Gymnasium Wellingdorf. Einmal wöchentlich treffen sich insgesamt 16 Jugendliche aus der Mittelstufe für zwei Stunden in ihrer jeweiligen Schule mit einem betreuenden Lehrer und einer Fachkraft der FH, um am Roboter zu werkeln. Das dahinter stehende Lernkonzept wurde vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS entwickelt. Sein Name „Roberta“ macht deutlich, dass ausdrücklich auch Mädchen einbezogen werden sollen, auch wenn es für Jungs ebenso geeignet ist.
Finanzielle Hilfe erhält die FH Kiel aus dem Programm „lüttIng.“ der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und der NORDMETALL-Stiftung. Bei „lüttIng.“ werden Kooperationen von Hochschulen, Schulen und Firmen gefördert, die das Ziel haben, junge Menschen für Technik zu begeistern. Das „Roberta“-Projekt passt da genau, es ist eine von landesweit aktuell 13 unterschiedlichen „lütting.“-Akademien. Partnerfirmen der FH Kiel sind Zöllner und E.ON Hanse. Sie haben weitere Bausätze spendiert, so dass je zwei Jugendliche an einem Roboter basteln können.
Wie man dem Roboter Leben einhaucht, zeigt Christin am Laptop. Dort ist eine grafische Programmieroberfläche zu sehen. Damit lässt sich zum Beispiel auf einer virtuellen Klaviertastatur ein Musikstück komponieren. Weist man jedem Ton eine Bewegung zu, entsteht eine Choreographie. Per Kabel wird das Ganze auf die Kontrolleinheit des Roboters übertragen. Ein kleiner Knopfdruck – und „Jojo“ piepst und tanzt herum. Ganz als hätte er Freude daran, mal nicht nur auf einer Linie fahren zu müssen.
Neue Akademien gesucht
Zum Schuljahr 2010/2011 werden ISH und NORDMETALL-Stiftung weitere „lüttIng.”-Akademien mit bis zu 15.000 Euro pro Schuljahr fördern. Schulen und Hochschulen können sich bis zum 31.3.2010 mit ihren Projekten bewerben.

