Kieler Uni erhält Stiftungsprofessur für Milchwirtschaft
An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wird eine neue Professur für „Ökonomie der Milch- und Ernährungswirtschaft“ eingerichtet. Gestiftet wird der Lehrstuhl von acht Unternehmen der Milchwirtschaft, der privaten Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft und dem Genossenschaftsverband. Darüber hinaus tragen das Land und die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH) zur Finanzierung bei. Ein entsprechender Vertrag wurde gestern in Anwesenheit von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen unterzeichnet. Bis 2014 stehen insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro für Personalkosten und Projekte bereit.
Die neue Stiftungsprofessur soll sich unter anderem mit anwendungsnahen Forschungs- und Beratungsprojekten beschäftigen – von der Milcherzeugung über die Verarbeitung zu Milchprodukten bis hin zu deren Vermarktung. Sie wird als W3-Professur an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät eingerichtet, die das Thema Milch als traditionellen Schwerpunkt pflegt. Zur Besetzung der Professur wird ein Berufungsverfahren nach dem Schleswig-Holsteinischen Hochschulgesetz durchgeführt. Noch in diesem Frühjahr soll sie international ausgeschrieben werden. Eine Besetzung wird zwar zum 1. Oktober 2009 angestrebt, nach Angaben der Uni könnte die Berufung einer Professorin oder eines Professors allerdings auch erst in rund einem Jahr erfolgen.

Die Vertragspartner der neuen Professur mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (Mitte) und (v.l.: Prof. Dr. Gerhard Fouquet, Präsident der Uni Kiel, Claus-Peter Witt, Uelzena eG, Wolf von Buchwaldt, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, Michael Bockelmann, Genossenschaftsverband, Dr. Karl Heinz Engel, Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH, Ralf Hinrichs, Molkerei Ammerland eG, Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann, Uni Kiel, Dr. Timo Winkelmann, frischli Milchwerke GmbH, Dr. Dirk Gloy, Nordmilch AG, Enno Glöer, Lactoprot Deutschland GmbH, Prof. Dr. Hans-Jürgen Block, ISH- Vorstand (Bild: VICO, Kiel)
Organisiert ist die neue Stiftungsprofessur in Form einer Kooperation zwischen privaten Unternehmen mit öffentlichen Einrichtungen (Public Private Partnership). Sie soll eine Lücke schließen, die dadurch entstanden ist, dass der Bund im Zuge einer Neustrukturierung seiner Forschungsinstitute das bisherige “Institut für Ernährungsphysiologie” nach Karlsruhe und das bisherige “Institut für Ökonomie der Milchwirtschaft nach Braunschweig verlagert hat. Am traditionellen Milchforschungsstandort Kiel sind unter dem Dach des von Karlsruhe geleiteten Max-Rubner-Institutes lediglich das “Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie” sowie ein neu geschnittenes “Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch” verblieben.
Laut einer Studie des Milchindustrieverbandes (MIV), die Ende 2007 veröffentlicht wurde, beobachten die Unternehmen einen “weitgehend ungeplant und völlig unkoordiniert ablaufenden Prozess der Erosion und Zersplitterung der Milch- und Agrarforschung“. Der Milchforschungsstandort Deutschland sei in Gefahr, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
ISH-Vorstand und Mitautor der Studie Prof. Dr. Hans-Jürgen Block hatte daraufhin vom ISH-Stiftungsrat den Auftrag erhalten, ein Konzept für die Neuaufstellung der Kieler Milchforschung zu entwickeln. Zusammen mit Dr. Dirk Gloy von der Nordmilch AG in Bremen und Dr. Burghardt Otto vom Genossenschaftsverband in Frankfurt/Rendsburg ist es der ISH gelungen, die Mittel für eine Professur zu organisieren.
„Die Ökonomie gehört zur Milchforschung, der traditionsreiche Milchforschungsstandort Kiel gehört gestärkt und die angewandte Forschung ausgebaut“, sagte Block bei Unterzeichnung des Vertrags. Die neue Stiftungsprofessur sei eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Neuaufstellung der Kieler Milchforschung. Die nächsten Etappen seien das „Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein“, das vom Land aus EU-Mitteln des „Zukunftsprogramms Wirtschaft“ gefördert werden soll, und ein neuer Vertrag für eine enge Kooperation von Fakultät und dem Max Rubner-Institut in Kiel. „Mit diesen drei Bausteinen erhält die Kieler Milchforschung eine neue, zukunftsfähige Basis.“
Der Dekan der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Kieler Uni, Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann, erläuterte, es gehe darum, die Wertschöpfungskette effizient zu organisieren und marktorientierte Innovationen umzusetzen. „Nach dem Fall der Milchquote wird sich der Wettbewerb im Bereich Milch weniger zwischen einzelnen Unternehmen abspielen, sondern zunehmend zwischen Milchproduktionsregionen“, sagte Latacz-Lohmann.
Die Sponsoren der neuen Stiftungsprofessur sind: die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und der Genossenschaftsverband sowie aus der Milchwirtschaft die Unternehmen Frischli, Hochwald Nahrungsmittel-Werke, Humana Milchunion, Lactoprot, Milch-Union Hocheifel, Molkerei Ammerland, Nordmilch und Uelzena.
Der Präsident der Kieler Uni, Prof. Dr. Gerhard Fouquet, freute sich über das Zustandkommen der außergewöhnlichen Stiftungsprofessur. „Unsere Landesuniversität sieht seit jeher eine wichtige Aufgabe darin, für Menschen und Wirtschaft im Land zu forschen. Ich freue mich daher besonders, dass wir mit dieser Professur diesen Weg weitergehen können.“

