Forschungsgenossenschaft „CEwind“: Im Verbund stärker
Veröffentlicht: 12.07.2010
Um Windkrafträder zu optimieren, haben sich die Hochschulen in Schleswig-Holstein mit Partnern zur Forschungsgenossenschaft „CEwind“ zusammengeschlossen. Vorrangiges Ziel ist, Ergebnisse aus der Wissenschaft zeitnah industriell nutzbar zu machen. Kompetenz als Standortvorteil – dieser Ansatz könnte sich lohnen: Selbst im Krisenjahr 2009 wuchs die Branche in Deutschland zweistellig.
Höher, weiter, effizienter: Windenergieanlagen sind in den vergangenen Jahren stetig größer und leistungsfähiger geworden. Sollen sie vor den Küsten offshore eingesetzt werden, bestehen darüber hinaus ganz besondere Ansprüche an alle Komponenten – vom Fundament über Rotorblatt, Antriebsstrang und Generator bis zur Regeltechnik. „Eine Windkraftanlage ist kein Propeller mit Fahrraddynamo“, sagt Alois Schaffarczyk, Professor im Fachbereich Maschinenwesen an der FH Kiel.
Schaffarczyk ist einer von rund 15 bis 20 Wissenschaftlern in Schleswig-Holstein, die sich schwerpunktmäßig mit Fragestellungen rund um die Windenergie beschäftigen. Weil sich gemeinsam mehr erreichen lässt, haben Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes mit Partnern 2009 die Forschungsgenossenschaft „CEwind“ gegründet. Darin sollen Ressourcen gebündelt werden, um praxisrelevante Probleme bei der Windenergienutzung wissenschaftlich und wenn nötig interdisziplinär zu lösen.
Bereits 2003 hatten Vertreter der Hochschulen über Kooperationen auf dem Gebiet der Windenergie beraten, erzählt Dr. Heike Bille, Vizepräsidentin und Transferbeauftragte der FH Flensburg. 2005 entstand zunächst als loses Verbundprojekt das „Kompetenzzentrum Windenenergie“, das 2009 in die Genossenschaft überführt wurde. An ihr sind die Fachhochschulen in Flensburg, Heide, Kiel und Lübeck, die Unis Kiel und Flensburg, die Nordakademie, das GKSS Forschungszentrum und das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR beteiligt. Finanziert wird die Genossenschaft mit Landesmitteln und EU-Geldern.
Geforscht wird in den vier Bereichen Mechanik, Elektrotechnik, Umwelt und Energiewirtschaft. Professor Schaffarczyk beschäftigt sich beispielsweise mit aerodynamischen Profilen für neue Rotorblätter. Der Professor berichtet von Messungen am Windrad auf dem Campus der FH Flensburg. Die Wissenschaftler streifen dabei dem Rotorblatt einen „aerodynamischen Handschuh“ über, der mit Sensoren und Mikrofonen ausgestattet ist und mit dem die Grenzschicht des rotierenden Blattes vermessen wird. Ein solches Verfahren sei aus dem Flugzeugbau bekannt. Vorteil: Statt klinisch im Windkanal zu testen, könnten damit vor Ort Daten an der Anlage gewonnen werden.
In anderen der aktuell insgesamt zehn Teilprojekte geht es zum Beispiel auch um die Anpassung des Generatorsystems an größere Windenergieanlagen. Da künftig viel Strom vor den Küsten erzeugt werden soll, gilt auch den Anforderungen für den offshore-Betrieb ein besonderes Augenmerk, sagt Reinhard Schlemminger, seit Anfang 2010 hauptamtlicher „CEwind“-Geschäftsführer. Entscheidend sei es, die Ausfallrate zu minimieren, um die Wirtschaftlichkeit von offshore-Projekten zu steigern.
Wenn etwas kaputtgehe, sei die Reparatur kompliziert, weil Mechaniker und Ersatzteile per Schiff oder Hubschrauber zu den Anlagen gebracht werden müssten. Beim „Condition Monitoring“ werden gezielt Daten über den Zustand wichtiger Komponenten der Anlage erfasst, um eine vorausschauende Instandhaltung zu gewährleisten. Dafür wird eine spezielle Nachrichtentechnik benötigt. Die Technologie könnte über „CEwind“ vermarktet werden. „Wir wollen helfen, Ergebnisse aus der Wissenschaft zeitnah industriell nutzbar zu machen“, sagt Schlemminger.
Die Genossenschaft steht auch national in Konkurrenz zu ähnlichen Verbünden, etwa in Niedersachsen. Insgesamt scheinen die Vorzeichen positiv zu sein: Mit einem Plus von 15 Prozent installierter Leistung ist die Windkraftbranche auch im Krisenjahr 2009 kräftig gewachsen. Professor Schaffarczyk: „In der deutschen Windenergiebranche arbeiten heute mehr als 100 000 Menschen. Das sind mehr als etwa in der Luft- und Raumfahrtindustrie.“
+++ Welchen Bedarf gibt es zur technisch-wissenschaftlichen Weiterbildung in der Windenergie? Diese Thematik wird derzeit im Auftrag der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein von „CEwind“-Geschäftsführer Reinhard Schlemminger untersucht. Ergebnisse werden zur HUSUM WindEnergy 2010 im September vorliegen.+++

