In Zukunft mehr Leistung: Wie Kommunen regionale Versorgungskonzepte umsetzen
Veröffentlicht: 15.03.2010
Solarenergie, Windkraft und Biomasse ermöglichen eine CO2-neutrale Energieversorgung im ländlichen Raum. Wie Kommunen regionale Versorgungskonzepte umsetzen, zeigt eine von der ISH mit Partnern organisierte Begleitveranstaltung zur Messe „new energy husum“. Ein Praxisbeispiel ist der Bürgerwindpark Lübke-Koog aus Nordfriesland: Repowering alter Anlagen steigerte die Leistung und harmonisierte das Landschaftsbild.
Schleswig-Holstein ist top - zumindest bei der Windkraft. Im Land zwischen den Meeren ist im Bereich der Windenergie im vergangenen Jahr eine Leistung von rund 193 Megawatt neu installiert worden. Das geht aus einer Ende Januar veröffentlichten Statistik des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI) hervor. Damit lag Schleswig-Holstein auf Rang vier der Bundesländer. Die zwischen Nord- und Ostsee insgesamt installierte Leistung beläuft sich nunmehr auf 2858 Megawatt.
Vor allem dem so genannten Repowering, also dem Austausch alter gegen leistungsstärkere neue Anlagen, wird künftig großes Potenzial bescheinigt. Nach Schätzungen könnte durch Repowering die Gesamtleistung in Schleswig-Holstein um mehr als 30 Prozent auf bis zu 4000 Megawatt steigen. Wie es gehen kann, zeigt das Beispiel Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. 1991 entstand dort der deutschlandweit erste Bürgerwindpark. Nach und nach wurden hier insgesamt 32 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 18 Megawatt errichtet. 27 davon wurden bis Ende 2009 durch leistungsfähigere Modelle ausgetauscht.
Hierfür waren Änderungen im Flächennutzungsplan und in den Bebauungsplänen notwendig. Gemeinde und Betreiber entwickelten ein Konzept, das die Beteiligung der Anwohner auch an den neuen Anlagen vorsah. Zivilrechtlich wurde neben dem bestehenden Bürgerwindpark ein weiterer in Form einer Kommanditgesellschaft gegründet. Zudem wurde ein neues Umspannwerk für den Netzanschluss errichtet.
Für die Kran- und Austauscharbeiten an den Anlagen mussten die Verkehrswege verstärkt werden, die Standplätze wurden erneuert. Mit dem Repowering hat sich aber auch das Landschaftsbild beruhigt - nicht nur, weil sich heute weniger Flügel langsamer drehen. Die Anlagen haben nach dem Austausch alle dieselbe Höhe und stehen jetzt fast linienförmig. Ihre Höhe ist auf 100 Meter begrenzt, da höhere Windräder aus Gründen der Luftfahrtsicherheit mit Warnlichtern ausgerüstet sein müssen.
Das Beispiel zeigt, dass sich mit dem Repowering zum einen die Chance ergibt, Entwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren, zum anderen birgt es weiteres Konfliktpotenzial. Den Gemeinden kommt eine Schlüsselstellung zu: In ihrer Hand liegt weitgehend die Planungshoheit und damit die Steuerung der Standorte. Der Entwurf des Landesentwicklungsplans sieht vor, dass das Repowering künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch außerhalb von Eignungsflächen zulässig ist.
Repowering ist nur eines der Themen, über das auf Begleitveranstaltungen zur Messe „new energy husum” informiert wird. Der Kreis Nordfriesland hat gemeinsam mit der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und weiteren Partnern für den 19. und 20. März ein Programm aus Vorträgen und Workshops über die Entwicklung regionaler Energiekonzepte zusammengestellt. Unter anderem wird die Netzwerkagentur „windcomm schleswig-holstein” ihren Leitfaden zum Repowering vorstellen, auch werden die Betreiber des Bürgerwindparks Lübke-Koog über ihr Konzept berichten.

