Innovationsstiftung Schleswig-Holstein

MINT: Eine Männerdomäne, die Eltern hoch schätzen

Wer junge Menschen für ein Studium der Ingenieurwissenschaften gewinnen will, sollte vor allem an technischen Gymnasien dafür werben. “Zwar stammen deutlich weniger Schülerinnen und Schüler an technischen Gymnasien aus Akademikerfamilien als am klassischen Gymnasium“, sagt Professor Jens Möller, Direktor am Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. “Dennoch ist die Neigung zum Studium dort insgesamt fast genauso hoch – mit klarer Tendenz für technische Studiengänge.” Damit sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Schulabschluss ein technisches Studium beginnen, bei diesen Schulen am höchsten. Dies ist ein Ergebnis einer Feldstudie, die Psychologen der Kieler Uni im Auftrag der Innovationsstiftung durchgeführt haben.

Herauszufinden, was junge Menschen über die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer denken, welche Motive eine Rolle spielen, wenn sie sich für ein Studium entscheiden, war das Ziel der Untersuchung. Genau genommen seien es zwei Studien, erläutert Diplom-Psychologin Friederike Gienke. “Wir haben in den vergangenen Wochen in Schleswig-Holstein sowohl Schülerinnen und Schüler des 11. und 12. Jahrgangs nach ihren Ansichten befragt als auch junge Erwachsene, die bereits ein Studium aufgenommen haben.”

Die Schülerstichprobe umfasst insgesamt 453 Probanden von Gymnasien, technischen Gymnasien und Wirtschaftsgymnasien. Gefragt nach ihrem beruflichen Interesse gaben in allen drei Gruppen die meisten Befragten an, sie würden gern unternehmerisch tätig sein. Mit Maschinen arbeiten oder sich mit unerforschten Dingen beschäftigen wollen deutlich mehr junge Menschen am technischen Gymnasium als an traditionellen Oberschulen oder Wirtschaftsgymnasien. Deren Absolventen bevorzugen hingegen öfter sprachlich-künstlerische oder soziale Berufe.

Dass als Studienwunsch die Studiengänge Technik und Maschinenbau neben BWL von Schülerinnen und Schülern der technischen Gymnasien am häufigsten genannt wurden, mag wenig überraschen. “Interessant ist, dass diese Gruppe von Schülern die stärkste Präferenz für ein Studium an einer Fachhochschule aufweist“, sagt Möller. Offenbar gelte das FH Studium als schnellere, praxisnahe und strukturierte Ausbildungsform.

Auch bei ihrer Befragung von Studierenden haben die Kieler Psychologen klar differenziert: nach der Art der Hochschule (Uni oder FH) und nach dem Studiengang (technisch, naturwissenschaftlich oder geistes- und sozialwissenschaftlich). Ingesamt 430 Studierende des 1. bis 4. Semesters nahmen an dieser Befragung teil. Signifikante Unterschiede ergaben sich bei der Frage nach den Motiven für die Studienwahl. Studierende von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern gaben am häufigsten an, den Studiengang gewählt zu haben, weil ihnen die persönliche Weiterbildung wichtig ist, dieses Studium ihren Fähigkeiten entspricht oder sie sich für die Inhalte des Studiums interessieren.

Demgegenüber antworteten Studierende von technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen in der Mehrheit, sie seien überzeugt, dass ihnen das jeweilige Fach leichter fällt als andere Studiengänge oder dass ihre Eltern die Wahl begrüßen. “Die sozialen Einflüsse sind hier deutlich stärker“, sagt Möller. Die Karrierechancen wurden von Studierenden naturwissenschaftlicher Fächer häufiger genannt als von Studierenden aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Richtungen. Von Hochschülern aus technischen Studiengängen wurde dieser Punkt vergleichsweise selten genannt – obwohl sie bei der Einschätzung des eigenen Studiengangs das Einkommen beispielsweise durchaus hoch bewerten.

Und noch etwas haben die Kieler Psychologen festgestellt: Nach wie vor gibt es ein deutliches Geschlechtsstereotyp. “Die Studiengänge Elektrotechnik und Maschinenbau gelten klar als männliche Studiengänge“, sagt Friederike Gienke. Projekte, die gegen dieses Muster ankämpfen wie der Girls-Day an den Hochschulen oder die Initiative “Mehr Frauen in MINT-Berufe“ des Bundesbildungsministeriums, hätten offenbar noch viel Arbeit vor sich.

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