Mehr Durchblick, mehr Effizienz
Veröffentlicht: 20.11.2009
Adieu, guter alter Drehscheibenzähler: Ab 2010 sind zunächst bei Neubauten und Sanierungen digitale Messgeräte zur Erhebung des Stromverbrauchs vorgesehen. Sie ermöglichen den Energieversorgern nicht nur das Ablesen aus der Ferne, sondern bieten neue Möglichkeiten des Netzmanagements. Erhalten Stromkunden zeitnah Einblick in ihre Verbrauchsdaten, wird der Umgang mit Strom sorgsamer.
Den Gang zum Stromzähler kann sich Gerd Bauer sparen. Um seinen Verbrauch zu kontrollieren, setzt sich der Elektroingenieur und Leiter des Messwesens bei den Stadtwerken Kiel an den PC, loggt sich auf einer Internetseite ein, und erhält in übersichtlichen Grafiken Auskunft über seine Verbrauchswerte – am Tag, in der Woche oder im Monat. Bauer gehört zu jenen Mitarbeitern des Versorgers, die derzeit neue Messgeräte, so genannte Smart Meter, ausprobieren. “Wir müssen sehen, ob unser System funktioniert“, sagt Bauer.
Während die alten, schwarzen Drehscheibenzähler lediglich Kilowattstunde um Kilowattstunde aufsummieren, wandeln die neuen Geräte die Verbrauchsdaten in digitale Signale um und übertragen diese zum Versorger. Sie erfassen, wann genau wie viel Strom benötigt wurde, die jährliche Zählerablesung wird damit überflüssig. Stromkunden könnten ähnlich wie beim Telefon monatlich eine Abrechnung erhalten. Überhöhte Abschlagszahlungen würden damit ebenso der Vergangenheit angehören wie unliebsame Nachzahlungen am Jahresende. Doch damit nicht genug.
Allein die Sensibilisierung der Verbraucher für den Energiekonsum soll nach einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie jährlich zu einer Einsparung von mindestens 9,5 Milliarden Kilowattstunden Strom führen. Wirklich intelligent wird das Ganze, wenn Waschmaschine und Trockner, Warmwasserspeicher und Tiefkühltruhe so gesteuert werden, dass sie Strom primär dann verbrauchen, wenn er günstig zur Verfügung steht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn viel Energie aus Wind und Sonnenkraft erzeugt werden kann. In Spitzenzeiten, wenn Stromkonzerne spezielle Kraftwerke zuschalten müssen, ist der Strom hingegen deutlich teurer. So bedeutet “Smart Metering” auch, dass den Kunden wie beim Telefonieren unterschiedliche Tarife angeboten werden.
“Wir wollen, dass Energie sparen Spaß macht“, sagt Sebastian Gölz vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Er leitet ein bundesweites Kooperationsprojekt, bei dem es darum geht, herauszubekommen, welche Art der Rückmeldung den unterschiedlichen Kundentypen gerecht wird. Ein Wust an just-in-time-Daten könnte kontraproduktiv sein, wenn sich der Nutzer darin verliert. Welche Daten werden benötigt und wie bereitet man sie grafisch verständlich auf? Auch die Mitarbeiter der Stadtwerke Kiel sind vom ISE befragt worden.
Vor der flächendeckenden Einführung der neuen Stromzäher sind technische Fragen zu klären. Die Verbrauchsdaten können vom Zähler zum Versorger kabelgebunden oder per Mobilfunk übermittelt werden, wobei die Sicherheit nicht nur vor Manipulationen gewährleistet sein muss. “Tagesabläufe spiegeln sich in der Nutzung von Energie wieder“, heißt es in einem aktuellen Gutachten des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). So könne die Erfassung verbrauchter Energie zu einer Ausforschung der Lebensgewohnheiten führen. ULD-Leiter Thilo Weichert rät den Betreibern, ihre Verfahren als rechtskonform zertifizieren zu lassen, um Konflikte und Mehrkosten zu vermeiden.
Die ersten 150 Kunden wollen die Stadtwerke Kiel übrigens in den kommenden Wochen mit einem Smart Meter ausstatten.
Workshop »Smart Metering« am 3.12.2009 in Kiel. Alle Infos hier.

