Innovationsstiftung Schleswig-Holstein

Alles im (Echo-)Lot

Konzentriert ist der Blick auf die Anzeige des Oszilloskopen gerichtet. Moritz, Timo und Lasse beobachten genau, wie sich die Sinuswellen, die das Gerät anzeigt, verändern, während sie in ihrem Versuchsaufbau Zentimeter für Zentimeter den Abstand zwischen einem Schallstrahler und einem Schallempfänger verkleinern. Die Schallgeschwindigkeit der Luft gilt es zu bestimmen, und dazu müssen die drei Oberstufenschüler in ihrem Experiment erst einmal Frequenz und Wellenlänge des verwendeten Ultraschalls ermitteln.

“Dies ist ein Versuch, den sonst Medizinstudenten im Rahmen ihres Studiums durchführen“, sagt Dr. Sönke Harm vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Uni Kiel. Ultraschall sei schließlich in der medizinischen Diagnostik etabliert, und die angehenden Ärzte sollen zumindest grundlegende Dinge über die physikalischen Zusammenhänge einmal gehört haben. Doch heute geht es nicht um Medizin, und heute sind die Besucher im Physik-Labor der Uni Kiel deutlich jünger. Es sind die Teilnehmer einer AG am Gymnasium Kronshagen. Ihr Ziel: ein Echolot zu entwickeln, ein Gerät, das mit Ultraschall die Tiefe von Gewässern misst.

Ausgedacht hat sich dieses Vorhaben Studienreferendar Michael Burmeister. Kiel und Echolot, das passt gut – dachte er sich, schließlich hatte vor rund hundert Jahren Alexander Behm das erste brauchbare Echolot in der Fördestadt entwickelt. “Die Technik ist für Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe beherrschbar, und wir können ihnen abseits des Schulunterrichts die Möglichkeit geben, selbst ein Produkt herzustellen“, sagt er.

Gute Kontakte zur Uni waren vorhanden, und mit Elac Nautik fand Burmeister darüber hinaus ein Traditionsunternehmen, das sich sofort bereit erklärte, den Nachwuchs zu unterstützen und beim Projekt mitzumachen. Finanziell gefördert wird die AG von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH). Das Projekt zählt zu den acht “lüttIng.”-Technikakademien, die die ISH in Schleswig-Holstein eingerichtet hat, um mehr junge Menschen für technische Berufe zu begeistern.

Während die Jungs mit stürmischem Eifer experimentieren – und dabei auch schon mal geneigt sind, mehr auszuprobieren, als in der Anleitung gefordert – geht es bei den beiden Mädels aus der elfköpfigen Gruppe deutlich ruhiger zu. Ihre Resultate sind dennoch überzeugend: Ann-Kathrin und Stephanie, die sich selbst ganz und gar nicht als große Physikfreaks bezeichnen würden, berechnen und messen nicht nur sehr exakt, sondern dokumentieren das auch sauber. Schwingung, Welle, Resonanz – ja, das hätten sie im Unterricht schon mal durchgenommen. So sei der Versuch auch kein Problem gewesen.

Einen Nachmittag pro Woche trifft sich die AG in diesem und im kommenden Schuljahr – meist in der Schule, aber eben nicht immer. Schon vor den Herbstferien hatte Dr. Andreas Mues, Forschungsleiter bei Elac Nautik, die Schülerinnen und Schüler ins Unternehmen eingeladen, um ihnen einige Grundlagen und Historisches über Echolote zu vermitteln und zu zeigen, welche hochmodernen Geräte in Kiel heute produziert werden. Weitere Besuche bei Elac Nautik und in der Uni sind geplant, zum Beispiel, um in der Umsetzungsphase Labore oder Messtanks zu nutzen.

In zwei Jahren wird es dann noch einmal richtig spannend werden: Dann nimmt Elac Nautik die lütten Ingenieure mit auf eine Erprobungsfahrt in der Kieler Bucht, um die Echolote in der Praxis zu testen.

Wegen der großen Nachfrage wird die ISH eine zweite Antragsrunde für Schüler-Technik-Akademien durchführen, die zum Schuljahr 09/10 starten werden. Partner von “lüttIng.” II ist die Nordmetall-Stiftung.

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