“Nützliche Algorithmen”: Neuer Bildverarbeitungspreis “Fokusfinder” verliehen
Veröffentlicht: 20.08.2009
In Lübeck sind mit dem “Fokusfinder” erstmals zwei herausragende und praxisrelevante Leistungen von Hochschulabsolventen aus dem Gebiet der Bildverarbeitung ausgezeichnet worden. Der Preis wird von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und der Basler AG aus Ahrensburg verliehen. Die Messlatte bei der Premiere hing hoch.

Fokusfinder 2009: Preisstifter, Betreuuer und Preisträger, v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans-Jürgen Block, Prof. Dr. Thorsten M. Buzug, Bärbel Kratz, Dr.-Ing. Marc Hensel, Prof. Dr. Rolf-R. Grigat, Dr. Jörg Kunze, Prof. Dr. Reiner Nawrath
Professor Reiner Nawrath von der FH Westküste in Heide brachte es auf den Punkt. Besser hätte die Auswahl der Preisträger für den “Fokusfinder“ gar nicht sein können, sagte der Organisator der Initiative Bildverarbeitung. Diese Initiative unterstützt seit mehreren Jahren mit Fachveranstaltungen den Austausch von norddeutschen Unternehmen und Hochschulgruppen in der Bildverarbeitung, und Professor Nawrath ist Mitglied jener Jury, die erstmals zwei Auszeichnungen an Hochschulabsolventen vergeben hat.
Nicht nur, dass die ausgewählten Arbeiten fachlich herausragend seien. Eine Arbeit stammt aus Schleswig-Holstein und eine aus Hamburg, so dass der Preis regional gleichmäßig verteilt wurde. “Und dann haben wir auch noch eine Frau und einen Mann ausgewählt. Hinterher ist mir klar geworden, dass wir ausgewogener gar nicht hätten urteilen können“, sagte Nawrath bei der Preisverleihung in Lübeck mit einem Augenzwinkern.
Die Bedeutung praxisrelevanter Forschung herauszustellen und die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten zu belohnen – das sind die beiden Ziele, die die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH) und die Basler AG aus Ahrensburg als Stifter der Auszeichnung “Fokusfinder” verfolgen. Der Preis ist mit je 1.000 Euro dotiert und soll jährlich die besten Abschlussarbeiten von Hochschulabsolventen auszeichnen. Für die Premiere wurden zwei Master- und vier Diplomarbeiten sowie zwei Dissertationen eingereicht.
Ausgezeichnet wurde die Diplomarbeit von Diplom-Informatikerin Bärbel Kratz. Sie arbeitet am Institut für Medizintechnik der Uni Lübeck und hat ein Verfahren zur Bildverbesserung bei der Computertomographie durch die Reduktion von Metallartefakten entwickelt. Bereits seit rund vier Jahrzehnten ermöglicht die Computertomographie Medizinern Blicke in den Menschen, ohne diesen aufschneiden zu müssen. Doch längst sind nicht alle Themen rund um die Computertomographie in der Forschung abschließend bearbeitet. So können bei Aufnahmen des Kopfes beispielsweise Zahnimplantate oder metallische Füllungen die Bildrekonstruktion in Teilbereichen so beeinflussen, dass die Ergebnisse für die Diagnose unbrauchbar werden.
In der Praxis werden zur Lösung dieses Problems Interpolationsverfahren verwendet: Zu gegebenen Messwerten wird eine kontinuierliche Funktion gesucht, die diese Daten abbildet. Bislang beschränkten sich die Lösungen aber auf eindimensionale Ansätze. Bärbel Kratz hingegen hat einen zweidimensionalen Zugang entwickelt. Die Ergebnisse zeigten, dass ihr Verfahren besser geeignet ist als Entwicklungen von größeren Forschungsgruppen. “Die gute Idee ist wichtig, nicht die Masse an Köpfen“, sagte ihr Betreuer Professor Thorsten M. Buzug in seiner Laudatio.
Mit dem Sichtbarmachen von bewegten Vorgängen im Körper hat sich Dr.-Ing. Marc Hensel beschäftigt. Er promovierte an der TU Hamburg Harburg und ist inzwischen als “Leiter Image PreProcessing” bei Philips Medical Systems in Hamburg tätig. Seine Dissertation über die echtzeitfähige Rauschreduktion medizinischer Röntgenbilder in Bildfolgen entstand in Kooperation mit Philips. Sie wurde jetzt als beste Doktorarbeit mit dem “Fokusfinder” ausgezeichnet.
Sollen beispielsweise funktionelle Vorgänge im Körper über einen kurzen Zeitraum hinweg beobachtet werden, reicht eine einzelne Röntgenaufnahme nicht aus, sondern eine Serie von Aufnahmen ist von Nöten. Beispiele sind die Positionierung von Stents, kleinen Gittergerüsten in Herzkranzgefäßen, oder die Kontrolle organischer Vorgänge im Körper.
Mit der Anzahl der Aufnahmen steigt jedoch die Strahlungsbelastung für den Patienten – und durch Streustrahlung auch für das medizinische Personal. Reduziert man aber die Strahlung, werden die Aufnahmen deutlich schlechter – es kommt zu einem steilen Anstieg des Bildrauschens.
Hensel hat in seiner Dissertation ein gegenüber dem Bildrauschen robustes Verfahren zur Bewegungsschätzung entwickelt. Mit dem Verfahren können die auftretenden Probleme besser als bisher in den Griff bekommen werden. “Einfach spitze“, urteilt auch Hensels Doktorvater Professor Rolf-R. Grigat.
Angesichts der hohen fachlichen Qualität aller eingereichten Arbeiten freuen sich die Organisatoren bereits auf die nächste Wettbewerbsrunde. Und wer weiß: Vielleicht wird die Auswahl 2010 genauso ausgewogen sein.
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