Innovationsstiftung Schleswig-Holstein

“Technik, die begeistert, ist etwas Wunderbares”

Wechsel an der Spitze der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH): Stefan Brumm, Leiter der Unternehmensentwicklung bei E.ON Hanse, bildet zusammen mit Prof. Hans-Jürgen Block den Vorstand der ISH. Der 48-jährige Wirtschaftsingenieur der Fachrichtung Maschinenbau tritt die Nachfolge von Carsten Thomsen-Bendixen an. Im onside-Interview spricht Brumm über die Bedeutung von Innovationen, über den Energiemarkt – und verrät Überraschendes aus seiner Jugend.

Welche Rolle haben Innovationen in Ihrem bisherigen Berufsleben gespielt?

Stefan Brumm: Innovation ist das, was im Berufsleben besonders viel Spaß macht. Ich entwickle gerne Dinge, mit denen man geschäftlich Erfolg haben kann. Dazu gehört auch, dass man manchmal mit Überraschungen leben muss.

Das klingt nach reichlich Erfahrung…

Brumm: In einem Unternehmen, in dem ich früher tätig war, haben wir beispielsweise in der Fertigungstechnik als Technologie-Vorreiter eine 6-Achsen-Drehzelle eingeführt. Das war eine spannende Geschichte, wir konnten am Ende Produkte kostengünstig produzieren, die von Wettbewerbern so nicht herstellbar waren. Ein anderes Mal ging es um die Einführung eines neuartigen ITLeitsystems. Da mussten wir leider feststellen, dass die Technik zwar formal funktionierte, die Integration ins Firmennetz jedoch viel zu häufig Störungen verursachte.

Inwieweit hat eine Stiftung wie die ISH Einfluss auf die Innovationsfreudigkeit in Schleswig-Holstein?
Brumm: Die Stiftung kann, wenn Unternehmen aus Kapitalmangel eine Innovation scheuen, im Rahmen ihrer Förderprogramme ein Stück des Finanzrisikos übernehmen. Sie kann Partner aus Hochschulen und Wirtschaft zusammenbringen und darüber hinaus mit ihren Wissenschaftlern und der Erfahrung aus anderen Vorhaben bei Projekten beratend zur Seite stehen.

Seit sieben Jahren arbeiten Sie für einen Energieversorger. Welche Rolle spielt der technischer Fortschritt im Energiesektor?

Brumm: Ich halte das Thema Innovationen gerade im Energiesektor für sehr interessant, weil mit der Klimaschutzdebatte das Augenmerk auf Themen gerichtet wurde, die bisher nicht im Fokus standen. Denken Sie etwa an SmartGrid, die ganzheitliche Organisation moderner Stromnetze zur Verteilung, Speicherung und Erzeugung von elektrischer Energie. Oder auch an die Stichworte Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung. Das sind Themen, die sowohl aufgrund der Klimaschutzdebatte als auch aus wirtschaftlichen Aspekten noch interessanter geworden sind.

Welche neuen Schwerpunkte können Sie sich für die ISH vorstellen?

Brumm: Das Thema Energieeffizienz, die CO2-Vermeidung durch bessere Energieausnutzung, wird sicherlich an Gewicht gewinnen. Mit unserer Initiative »e-KO Energieeffizienz in Kommunen« unterstützen wir bereits erfolgreich Städte und Gemeinden. Aber auch für private Hausbesitzer ist es schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen, weil der Technologiekorb inzwischen sehr groß ist. Deshalb sollten wir Informationen anbieten, damit man leichter entscheiden kann, zwischen Brennwerttechnik mit Solarthermie, Erdwärme, oder Gaswärmepumpe, Holzhackschnitzel oder Strom erzeugender Heizung. Ein anderer Schwerpunkt könnte das Thema Mobilität sein. Die ISH hat grundsätzlich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass neue Technologien im Land erfolgreich eingesetzt werden. Wir werden im Vorstand gemeinsam beraten, auf welchen Gebieten wir das tun werden.

Sie haben das Thema Mobilität angesprochen. Können Sie sich vorstellen, ein Elektroauto zu fahren?

Brumm: Ja, sehr gut sogar. Ich arbeite in einem Unternehmen, das sich Gasautos verschrieben hat. Früher bin ich privat auch ein innovatives Auto gefahren, einen 3-Liter-Lupo. Das war ein technisches Highlight, das nicht nach den Maßstäben wirtschaftlicher Optimierung zu messen war. Aber das wird vielen Ingenieuren so gehen: Technik, die begeistert, ist etwas Wunderbares und macht Spaß.

Mit Projekten wie dem Forschungsexpress oder “lüttIng.” versucht die ISH, diese Neugier bei Schülerinnen und Schülern zu wecken.

Brumm: Das ist ein guter Weg. Aber unabhängig davon, dass wir in Deutschland einen Mangel an Ingenieuren zu beklagen haben, liegt mir die Förderung junger Menschen generell sehr am Herzen. Ich sehe das als eine gesellschaftlich ganz wichtige Aufgabe an. Das ist auch für die Stiftung wichtig, auf diesem Gebiet etwas zu machen. Durch meine zwei Kinder weiß ich, was das bedeutet. Außerdem habe ich gerade beispielsweise eine Diplomarbeit betreut. Das war eine hohe Arbeitsbelastung nebenher, aber ich konnte so jemandem zu einem guten Abschluss und damit zu einem Arbeitsplatz verhelfen.

Wie sah es denn während Ihrer Schulzeit mit Ihrem Interesse an den Naturwissenschaften aus?

Brumm: Mein Lieblingsfach war Physik. Ich war sogar einmal Landessieger im Wettbewerb “Jugend forscht” in Hamburg.

Ehrlich? Was haben Sie untersucht?

Brumm: Das Thema hieß: “Die Bedeutung der Lage des Arbeitsplatzes am Beispiel Schule“. Wir haben ausgewertet, ob man bessere Noten bekommt, wenn man sich in der Schule umsetzte und ob der Einfluss bei den naturwissenschaftlichen und den sprachlichen Fächern gleich hoch war. Tatsächlich gab es signifikante Unterschiede. Es lohnt sich in der Tat seinen Arbeitsplatz nah am Geschehen zu wählen.

Wo haben Sie gesessen?

Brumm: Meist im vorderen Drittel.

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