“Segler ohne Steuermann”: lüttIng.-Akademie an FH Flensburg baut autonome Segelboote
Veröffentlicht: 26.08.2009

Autonomes Segelboot im Praxistest
Gleich an fünf Schulen wurde in den vergangenen Monaten eifrig am selben Ziel getüftelt: Unter Federführung der FH Flensburg haben 25 Schülerinnen und Schüler Segelschiff-Modelle gebastelt, die ohne Fernsteuerung autonom einen Kurs absolvieren können. “lüttIng.” heißt das Programm, mit dem die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH) und die NORDMETALL-STIFTUNG mehr Jugendliche für ingenieurtechnische Berufe begeistern wollen.
Eigentlich ist der Wind an diesem Tag viel zu stark. Aber Jannik Jost und David Conrad wagen es dennoch: Vorsichtig lassen sie auf einem Teich an der FH Flensburg ihr Modellsegelschiff zu Wasser. Kaum losgelassen, legt sich der Rumpf bedrohlich zur Seite. Doch das ist nicht weiter schlimm: Nach wenigen Sekunden richtet sich das Schiff auf und findet jenen Kurs zum Wind, den die 18-jährigen Schüler vom Alten Gymnasium der Fördestadt per Software vorgegeben hatten. Das Modellschiff segelt völlig autonom.

David Conrad (li.) und Jannik Jost mit ihrem autonomen Segelboot
Zwar ist kurze Zeit später im Schilf auf der anderen Teichseite Endstation. Dass die Technik aber prinzipiell funktioniert, davon konnte sich jedermann trotz des zu starken Windes an diesem Tag überzeugen. Entstanden ist das Segelschiff als eines von insgesamt fünf Modellen während der “Sail-Ing-Akademie“. So hat Projektleiter Professor Tim Aschmoneit ein Projekt für Schülerinnen und Schüler genannt, das er vor einem Jahr an der FH Flensburg aus der Taufe gehoben hat. Finanziert wird es durch die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und die NORDMETALL-STIFTUNG im Rahmen des Programms “lüttIng.” zur Förderung technischer Bildungsangebote für den Nachwuchs.
Einmal die Woche, jeweils für vier Stunden am Nachmittag, haben Jannik, David und 23 weitere Schülerinnen und Schüler an der Entwicklung der Segler ohne Steuermann gearbeitet. Beteiligt waren fünf Schulen: neben dem Alten Gymnasium die Eckener Schule in Flensburg, die Beruflichen Schulen WiSo Rendsburg und die Beruflichen Schulen des Kreises Nordfriesland in Husum und Niebüll.
Am Anfang durften die Nachwuchsingenieure erst einmal selbst aufs Wasser: Nur wenige von ihnen hatten Segelerfahrung, daher sollte ihnen ein kurzer Kurs ein Gefühl dafür vermitteln, wie sich ein Segelboot im Wind verhält. “Danach haben wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schulübergreifend in Gruppen eingeteilt“, erzählt Aschmoneit. Erst in einer späteren Projektphase habe dann jede Schule ihren Bausatz für den Modellsegler erhalten.
Gelernt und gebastelt wurde überwiegend an der FH, zum Teil auch bei der Flensburger Schiffbaugesellschaft, die Aschmoneit neben den Firmen fjord-e-design und 2WCom als Industriepartner gewinnen konnte. Technisch waren einige Klippen zu umschiffen. Denn wie bringt man ein Segelboot dazu, selbstständig von A nach B zu segeln?
Zunächst hilft ein GPS-Sensor dabei, kontinuierlich die Position des Bootes zu messen. Zweites wichtiges Element ist der Windsensor. In der Praxis orientiert sich der Steuermann einer Jolle am so genannten Verklicker, einem Windanzeiger am Ende des Mastes, der den aktuellen Winkel des Bootes zum Wind verrät. Denn frontal gegen den Wind kommt kein Segelboot voran. Wohl aber schräg dazu, indem man mit einigen Wenden einen Kreuzkurs segelt. Genau das soll das Modell selbstständig tun können.
So brauchten die Schülerinnen und Schüler einen Windsensor, der leicht und gleichzeitig stabil ist. Seine Daten werden wie auch die GPS-Signale in einem Mikroprozessor verarbeitet. Einen entsprechenden Segel-Algorithmus haben die Absolventen der Akademie selbst entwickelt. Der Prozessor ersetzt die Crew an Bord: Er steuert mit Hilfe der entsprechenden Elektronik Ruder und Segelstellung. Nicht zuletzt war auch handwerkliches Geschick gefragt – zum Beispiel, um die empfindlichen Bauteile vor Wasserkontakt zu schützen.
Höhepunkt der Akademie war ein Abschlussrennen der fünf Boote – nicht auf einem kleinen Teich, sondern auf der großen Flensburger Förde. Er habe viel gelernt und viel Spaß gehabt, erzählt David Conrad. “Das Segeln einmal anders umzusetzen, das hat mich gereizt. Ich würde immer wieder an der Akademie teilnehmen.”
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